Temporäres Wohnen: ein Trend setzt sich durch

DWH AG, am 22.11.18 12:34

Eine neue Art des Wohnens verändert die Städte. Anstatt sich auf Dauer einzurichten, leben immer mehr Menschen buchstäblich aus dem Koffer. Möblierte Mikro-Wohnungen werden für eine begrenzte Zeit angemietet und danach wieder abgegeben. Was früher nur für Studenten infrage kam, spricht heute verschiedene Zielgruppen an. Einige Anbieter haben sich bereits auf dieses Marktsegment spezialisiert und bieten All-inclusive-Pakete an. Sie alle haben eines gemeinsam: Flexibilität und Service stehen im Mittelpunkt.

Von der „Studentenbude“ zum Mikroapartment

Beim Gedanken an Studentenwohnheime kommen bei vielen Menschen Erinnerungen hoch: Beengte, unaufgeräumte Zimmer, rundherum Partylärm, und zwar zu jeder Uhrzeit, dafür aber wenig Privatsphäre und praktisch nie Ruhe zum Lernen. Dazu passt eine gemeinsam genutzte Küche, nicht selten in einem eher zweifelhaften Hygiene-Zustand. Für viele Erwachsene war das Studentenwohnheim die erste eigene Bleibe außerhalb des Elternhauses - und eine Erfahrung mit positiven und negativen Seiten.

Doch dieses klassische Bild trifft heute nur noch bedingt zu. Denn immer mehr Wohnheime in Universitätsstädten wie Berlin bieten neben einer hochmodernen Ausstattung auch verschiedene Dienstleistungen an. Bereits am Empfang grüßt ein freundlicher Concierge und fragt nach dem Wohlbefinden. Reinigungs- und Wäscheservice sorgen für Sauberkeit und Komfort. Sogar soziale Aktivitäten wie Kochkurse oder Ausflüge werden für die Bewohner organisiert. Selbstverständlich kostet ein Zimmer in einem derartig komfortablen Boardinghouse ein wenig mehr als im herkömmlichen Wohnheim.

Doch die Nachfrage steigt. Eine aktuelle Analyse des Immobiliendienstleisters Savills zeigt: In den vergangenen sechs Jahren hat sich der Bestand an Studentenwohnungen in Deutschland verdreifacht. Das zeigt sich auch an den Investitionen. Im Jahr 2017 wurden insgesamt 990 Millionen Euro in dieses wachsende Marktsegment investiert. Dahinter steht jedoch auch eine breitete Entwicklung. Das Wohnen verändert sich im Allgemeinen, denn die All-Inclusive-Immobilie wird auch für Nicht-Studenten immer attraktiver.

Umzug mit dem Koffer

Aus einem preiswerten Angebot für Studierende hat sich in den letzten Jahren ein neuartiger Lifestyle entwickelt: das temporäre Wohnen. Das spricht auch junge Berufstätige an. Denn Wohnraum ist knapp in Großstädten wie Berlin. Die Preise steigen seit Jahren, vor allem in den begehrten Innenstadtlagen. Deshalb sind heute immer mehr Mieter bereit, für eine gewisse Zeit auf etwas Platz zu verzichten. Der Markt reagiert mit speziellen Angeboten. Anlagen für Young Professionals sind zwar meist getrennt angelegt von Objekten, die sich vorrangig an Studenten richten. Doch generell funktionieren beide ähnlich.

Mikro-Apartments sind in der Regel nur 18 bis maximal 45 Quadratmeter groß. Doch sie bieten Zimmer, Dusche und Küche, sind vollständig möbliert und mit allem Wesentlichen ausgestattet. Deshalb ist das zeitweise Leben in einer kleinen Wohneinheit für immer mehr Mieter attraktiv. Statt eines Umzugswagens benötigt man zum Ein- und Ausziehen nur einen Koffer. Denn bis auf persönliche Gegenstände ist in der Regel vor Ort alles vorhanden – vom Handtuch über die Bettwäsche bis hin zu Küchenutensilien.

In Gemeinschaftsräumen kann man Gleichgesinnte kennenlernen. Nicht selten bieten die Betreiber sogar interne Apps, mit denen die Bewohner in Kontakt bleiben und ihren Alltag organisieren können. Bei Fragen und Problemen hilft ein menschlicher Ansprechpartner weiter. Dabei ist die Abrechnung denkbar einfach, denn die Nebenkosten sind im Flatrate-Tarif enthalten: Strom, Heizung, TV, Internet – all inclusive.

Temporäres Wohnen – ein Markt mit Zukunft

Unsere gesamte Gesellschaft verändert sich in rasantem Tempo. Heute wollen viele Menschen flexibler und mobiler leben. Denn auch der Arbeitsmarkt unterliegt einem Wandel. Befristete und freiberufliche Arbeitsverhältnisse werden immer bedeutsamer. Von Young Professionals wird heute sehr viel Flexibilität erwartet – auch, was den Wohnort angeht. Man zieht zum Beispiel vorübergehend an einen Ort, um dort an einem bestimmten Projekt zu arbeiten oder als Expat Erfahrungen zu sammeln. Da der Zeitrahmen überschaubar ist, möchte man sich einen umständlichen Umzug ersparen.

Das temporäre Wohnen zählt am Immobilienmarkt momentan zu den Teilmärkten mit dem größten Wachstum. Nur noch einen Teil davon bewohnen Studenten. Die Zahl der kleinen Wohneinheiten wird weiter steigen. Damit steigt auch die Bedeutung für Investoren. Häufig werden die Einheiten einzeln als Eigentumswohnungen verkauft. Dadurch ist auch bei einer geringen Anlagesumme eine vorteilhafte Rendite möglich. Es gibt aber auch flexiblere Anlageformen, etwa Immobilienfonds. Da die Nachfrage nach Mietwohnungen in den Großstädten weiter steigt, werden diese neuen Konzepte in der Zukunft voraussichtlich noch größere Anziehungskraft ausüben.